Rom, die ewige Stadt! Ha, da hat Italien eine viel „ewigere“ Stadt zu bieten: Matera! Eine der ältesten Städte der Welt, Kulturhauptstadt Europas 2019, Kulisse für zahlreiche Jesus-Filme und auch des im nächsten Jahr anlaufenden neusten 007-Films. Spannender als jeder James-Bond-Film ist jedoch die Geschichte der Stadt, insbesondere die jüngere. Und der Wow-Effekt ist auch größer als bei Bond: Etwa 3000 uralte Felsenwohnungen mit teils prachtvollen davor gebauten Fassaden.

Der Urlaubspaul ist beeindruckt: Das seit Jahrtausenden ununterbrochene bewohnte Matera liegt auf einer karstigen Hochebene im Süden Italiens. 

Noch bis in die 1960er Jahre galt Matera als Schandfleck Italiens. In den Höhlenwohnungen lebten damals noch 15 000 Menschen. Sie hatten weder Strom noch fließend Wasser, die Kindersterblichkeit lag bei 50 Prozent. Durch das Buch „Christus kam nur bis Eboli“ wurden die Missstände 1945 bekannt. Der Staat handelte und siedelte die Materani in den kommenden 20 Jahren in neue Mietshäuser um. Erst 1986 erlaubte der Staat die Wiederbesiedlung der Höhlen.

Matera ist wie ein Traum, wirkt wie eine Fototapete, so schön und unwirklich. Wir versuchen zunächst mit dem Auto zum Hotel zu fahren. Per Handy lasse ich mir den Weg beschreiben. Mmh, mein Schulenglisch und die ebenso mageren Sprachkenntnisse der Frau an der Rezeption lassen es krachen. Diesmal nicht zwischen mir und dem Urlaubspaul. Der –ja, auf mein Drängen – fährt zwischen zwei rot-weißen Pollern durch, dabei kamen sich die Autotür und einer der Metallpfosten doch viel zu nah…

Es war dann aber auch schön (und auch etwas unwirklich), als sich etwa 20 gleichzeitig sprechende Italiener um uns kümmerten. Ich glaube, die einen schimpften, die anderen wollten helfen. Es stellt sich heraus, dass der Weg nur zu Fuß durch die schmalen Gassen führt.

Das Hotel selbst ist auch ein Traum – wenn auch ohne Restaurant. Da es am Abend mal wieder regnet und wir Hochzeitstag haben, wird dennoch für uns gekocht. Ein großer Tisch in der privaten Küche ist für uns gedeckt. Am Herd steht der nette Koch und da sein Englisch nicht besser als meins ist, hat er seine 16-jährige Tochter zum Dolmetschen dabei. Wir vier erleben einen unvergesslichen, lustigen Abend.

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