Gran Canaria wäre jetzt schön! Sonne, Atlantik, gutes Essen und hin wieder ein wenig Kultur. Der Urlaubspaul und ich lieben Las Palmas seit vielen Jahren. Wir sind uns auch immer einig, dass es eine Wohnung direkt am Stadtstrand Las Canteras sein soll. Vor uns der Atlantik, hinter uns die 400 000-Einwohner-Stadt Las Palmas – was will man mehr?

„Ja, dann buche doch eine“, meint der Urlaubspaul dann und wendet sich seiner jeweils aktuellen Beschäftigung zu (Computer, Rockmusik oder Science Fiction). Äh, sorry? Kleiner Ehestreit gefällig?

Es gibt mindestens 3000 Wohnungen am Las Canteras. Der Strand ist mindestens drei Kilometer lang und dicht bebaut. Das ist harte Arbeit, da die richtige Wohnung zu finden! „Nimm doch die, die dir am besten gefällt!“ Schrei! Andere Frauen – so meint Paul – seien dankbar, wenn sie allein buchen könnten. Woher kennt er solche Frauen?

Selbst wenn 1000 nicht frei sind, 1000 rausfallen, weil sie zu teuer oder zu groß, 500 weil sie zu marode sind, 150 weil sie direkt über einem Restaurant liegen und 200 weil sie zu klein sind. Bleiben immer noch 150 Wohnungen. Wenn ich nur 2 Minuten pro Wohnung veranschlage (es sind mehr!) sind das 300 Minuten, als sind das fünf Stunden – fünf einsame Stunden. Nicht mit mir! „Also gut, zeig mal“, vermeldet der Mann und wendet sich seinem IPad zu. „Die Nr. 106 sieht gut aus, nimm die doch“, kommt unmittelbar danach.

Nee, nee- so war das nicht gemeint. Mit forderndem Ton rufe ich ihn zur Ordnung: „Und die anderen?“. Während Paul sich noch zwei oder drei Wohnungen mit wenig Begeisterung anschaut und jede buchenswert findet, kommt schließlich von mir: „Schau dir mal die Nr. 127 an, die Wohnung habe ich jetzt gebucht!“ Und schon können wir uns gemeinsam auf einen weiteren wunderbaren Urlaub auf Gran Canaria freuen.

Dabei wollten wir nach einem Urlaub Ende der 90er Jahre nie wieder nach Gran Canaria. Damals waren wir in Sankt Augustin gelandet und bekamen alle Vorurteile bestätigt: Sehr voll, Hochhäuser und Reihenhäuser, Cafés mit deutschem Filterkaffee und Restaurants mit Bratwurst oder langweiligsten Touristenmenüs. War irgendwie voll spießig.

Nach einer voll spießigen Kreuzfahrt – die wir auch nie machen wollten – im Jahr 2013 hatten wir dann noch 4 Tage Zeit und blieben in Las Palmas. Vom Schiff nahmen wir ein Taxi und wunderten uns, warum der Fahrer etwas unwillig wirkte. Der Grund war schnell klar: Der Strand und somit unsere erste Wohnung am Las Canteras lag nur etwa 600 Meter vom Hafen entfernt!

Es war Liebe auf den ersten Blick: Las Canteras ist ein wundervoller Sandstrand, der sogar in mir die Lust auf tägliche Spaziergänge aufkommen lässt.

Wir können uns überhaupt nicht sattsehen an den kraftvollen Wellen des Atlantiks, die sich am vorgelagerten Riff brechen. Es gibt auch Abschnitte am Strand, da schwappen die Wellen bei Flut über die Mauer auf die Promenade. Die Ebbe legt dann das Riff und den Meeresgrund mit seinen Steinen oder an anderen Stellen mit feinem Sand frei. Allein dieses tägliche Schauspiel hat uns schon zigmal die Reise auf die Kanaren antreten lassen.

Am südlichen Strandende ist der Sand schwarz. Hier liegt das Riff nicht vor der Küste und so finden besonders große und lange Wellen ihren Weg an den Strand – ein Paradies für Surfer. Manchmal schauen wir ihnen bei ihren zahlreichen Versuchen zu, auf dem Brett stehen zu bleiben oder den Könnern, wie lange sie auf dem Brett bleiben. Besonders gut gefallen uns auch die Trockenübungen der Surfschulen.

Hier am südlichen Ende der Bucht steht auch direkt am Meer das Auditorio Alfredo Kraus. Alfredo Kraus war ein weltberühmter Opernsänger, seine Mutter kam von Gran Canaria, sein Vater aus Österreich. Im Auditorio haben wir schon wundervolle und wundersame Konzerte gehört: International bekannte Orchester geben wegen der guten Akustik im großen Saal gern Konzerte (vielleicht auch wegen der Sonne draußen?). Aber auch eine TV-Sendung mit spanischen Schlagersängern oder einen Abend mit einer Swing-Show haben wir dort erlebt. Direkt neben dem Auditorio befindet sich ein großes Einkaufscenter.

Am nördlichen Ende der Bucht endet der Strand im Naturschutzgebiet. Zwischen Felsen und Atlantik begegnet man nur selten anderen Spaziergängern. Einmal hatten wir das Glück und ein Saxophon-Spieler übte zwischen zwei Felsen, die Musik war weithin zu hören.

Und dazwischen etwa 3 Kilometer schönster Sandstrand, an dem eine Promenade mit zahlreichen Cafés und Restaurants (übrigens wenige Klamotten- oder Souvenirläden). Die Promenade teilen sich Einheimische und Touristen, Junge und Alte. Schwedische und deutsche Rentner spielen am Strand Boule, afrikanische Frauen plaudern in bunten Kleidern auf einer Bank, daneben sitzen spanische Rentner, rauchen und lachen. Ein Straßenmusiker spielt Trompete, Mütter verweigern ihren Kindern das dritte Eis, amerikanische Backpacker bauen lustige Figuren im Sand.

Und das alles fußläufig zu erreichen!

Mit der Buslinie 1 fahren wir manchmal auch in die Altstadt mit ihren schönen Häusern im Kolonialstil, den Museen und Tapas-Bars, der großen Markthalle und der Universität. Und wenn wir doch mal ins Landesinnere wollen, die Autovermietung Raul ist auch nur 20 Meter vom Strand entfernt. Einem der wichtigsten Argumente für Las Palmas widmen wir die nächste Geschichte: Dem wundervollen Essen!

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