In etwa einer dreiviertel Stunde sind wir von uns aus im Harz – zweimal am Tag fährt man dennoch eigentlich nicht in das Mittelgebirge. Und ein Schlüsselerlebnis hat man auch nicht jeden Tag – wir haben beides geschafft! Das war nicht geplant, aber c’est la vie!

Das Nieselwetter lädt eher zu einem Sofa-Besuch ein, aber auch wir wollen einmal zumindest ein paar Schritte durch die wunderschöne Winterlandschaft im Harz machen. Mitten in der Woche (das Wochenende meiden wir wegen Corona) machen wir uns auf den Weg.

Da die meisten Harz-Ausflügler offenbar nur den Weg zum Torfhaus über die B4 kennen, fahren wir durchs Okertal. Das Tal, durch das der Fluss Oker fließt, ist wirklich schön. Von dem gleichnamigen Ort kann man das wirklich nicht behaupten. Bei Nieselregen haben wir dort ganz schnell ein paar Würstchen gekauft – zum Kräutertee in der Thermoskanne bestimmt eine Leckerei!?!

Glücklicherweise wissen wir seit unserer Kindheit, wie schön das Okertal ist – an diesem Tag ist alles nur grau und nieselig.

Schnell ist Plan A gefasst: Wir machen unser Würstchen-Kräutertee-Happening auf einem Parkplatz mit Blick auf den Okerstausee – ohne Spaziergang. Keine Chance: Mal versperrt die Staumauer den Blick, mal stören Tannenbäume, der nächste Parkplatz ist nicht geräumt. Das war anders geplant.

Also Plan B: Wir suchen uns einen Parkplatz an der Straße zwischen Altenau und Torfhaus. Ohne Blick auf Wasser, aber trotz vieler kaputter Bäume immer noch eine unserer Lieblingsstraßen mit vielen alten Tannen. Und wir sind noch ein paar hundert Meter höher, was mehr Schnee bedeutet. Nicht geplant, aber toll.

Auf einem fast leeren Parkplatz halten wir und packen unsere Würstchen zur gediegenen Musik von NDR 1 aus. Nur ein anderes Auto ist in Sichtweite. Die Sonne leider nicht. Und so genießen wir Würstchen und Kräutertee etwa 90 Kilometer von zuhause im Auto! Ja, ja, Umwelt und so weiter! Aber das war doch anders geplant.

Nach unserem frugalen Mahl, steigt Paul plötzlich aus, um die restlichen Würstchen in den Kofferraum zu legen, dort sei es kühler! Ich wollte noch eins! Nach einer kleinen Diskussion steigt Paul noch mal aus! Danach sind wir uns einig und wollen dem tristen Wetter schnell entfliehen über die B4 zurück in unser warmes Zuhause düsen.

Spontan legen wir einen Stopp in Schladen (Pauls Heimat) ein, um im Aldi vielleicht noch den in Braunschweig ausverkauften spanischen Wein Naia zu ergattern (s. unseren Beitrag November-Programm: Gran Canaria) -ja 4 Flaschen warten noch auf uns. Ungeplant, aber gut!

Oh, oh! Nicht gut: Beim Abklopfen seiner Hosentaschen bemerkt Paul auf dem Parkplatz, dass seine Schlüssel weg sind! Das war nun absolut nicht geplant!

Nach kurzem Überlegen ist klar, sie können nur bei der Würstchen-Kofferraum-Aktion auf dem etwa 45 Kilometer entfernten Parkplatz liegen. Nur dort hatte Paul das Fahrzeug verlassen. Das war nun wirklich nicht geplant!

Es führt kein Weg drum herum, wir müssen noch mal in den verschneiten Oberharz. Uhrzeit 15.25 Uhr! Sonnenuntergang 16.32 Uhr! Was, wenn wer den Schlüssel gefunden hat? Wieviel Schnee ist oben wohl noch gefallen? Aber es ist die einzige Chance. Also los, noch mal in die Höhe! Nun die allseits beliebte B4, die geht schneller.

Für die Straßenverhältnisse sind 30 Minuten bis zum Parkplatz echt gut (oder auch nicht?). Die Aussicht, im Dunkeln durch Nieselregen im Harz zu fahren beschwert halt meinen rechten Fuß.

Auch das noch: An der Kreuzung zum Parkplatz ein Unfall mit Stau (der Sonnenuntergang!). Zwischen einem Lkw und einem ziemlich großen Schneehaufen drängele ich mich zur Kreuzung. Noch etwa zehn Kilometer bis zum Parkplatz.

Außer einem kleinen Fiat steht kein Auto dort. Der Regen hat sich mittlerweile in Schnee verwandelt, der Parkplatz liegt unter einer gleichmäßigen etwa fünf Zentimeter weißen Decke, die wir gnadenlos zerstören.

Mit den Füßen schieben wir den Schnee hin und her. Wir sehen unsere Chancen sinken, schieben immer langsamer.

Plötzlich entschlüpft Paul ein unkontrollierter, lauter Lacher: „Hier, hier ich habe ihn!“ Er hat sein Schlüsselbund wieder. Und dann, auch ganz plötzlich: Statt Sonnenuntergang Sonnenaufgang! Blauer Himmel! Einfach toll!

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