Rund 1400 Kilometer sind wir bislang an der Ostküste bis in den Stiefelabsatz gefahren. Nun geht es über Tarent und Villapiana an der Stiefelsohle lang. In der Hafenstadt Tarent entdecken wir die zauberhafte Altstadt auf einer Halbinsel und essen in einem winzigen, einfachen Lokal gemeinsam mit schick gekleideten älteren Italienerinnen an einem großen Holztisch in der Sonne.

Wein aus Pappbechern und frische Meeresfrüchte vom Pappteller – und dennoch ein großartiges Mittagessen! 

Die Damen erzählen lautstark und lachen herzlich. Irgendwann bekommen wir mit: Sie lachen über uns! Nicht böse, das ist klar. Aber wir sind neugierig und so versuche ich mit Händen und Füßen Kontakt aufzunehmen. Als Reaktion ernten wir nur weiteres Lachen. Ich fordere den Urlaubspaul auf, dem Ganzen mit seinem guten Englisch auf den Grund zu gehen. „Was soll ich denn fragen?“ ist die genervte Antwort, bevor er sich genüsslich einen weiteren Tintenfisch in den Mund schiebt. Dann sagt plötzlich eine der italienischen Damen in gebrochenem Deutsch: „Wir freuen uns nur, dass Sie hier sind. Und stellen uns vor, wie Sie in Deutschland zu Mittag essen. So gute Meeresfrüchte gibt es bei euch nicht, oder?“ Was daran nun lustig sein soll? Aber irgendwie hat sie Recht und auch wir lächeln höflich mit.

In Tschechien gibt es vielleicht auch keine guten Meerestiere. In Villapiana landen wir in einer liebevoll gestalteten Anlage mit einfachen kleinen Holzhäuschen. Alle Hinweise sind in Italienisch und Tschechisch geschrieben. Eine Urlauberin erzählt, dass sie aus Prag kommt. Leider hat sie ebenso wie die junge Frau an der Rezeption keine Zeit für weitere Fragen. Also ist Fantasie gefragt. Wir stellen uns vor, ein Italiener verliebt sich auf einer Prag-Reise. Er braucht die Sonne und das Meer, sie ein Stück ihrer Heimat – sie kaufen die Ferienanlage und kooperieren mit einem Prager Reisebüro. Klingt doch gut, oder?

Über viele anderen Städte in Kalabrien gebe es auch einiges zu erzählen, aber wir müssen beim Schreiben Gas geben, wir wollen schließlich noch vor Weihnachten mit unseren Geschichten die französische Grenze erreichen!

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