Kekehs sind in Freetown das Hauptverkehrsmittel. Foto: Pöhlig

Ein wenig touristisches Programm gönnen wir uns auf unserer Reise nach Sierra Leone auch: Wir unternehmen eine dreistündige Fahrt mit dem Kekeh durch Freetown. Kekehs, das sind dreirädrige Gefährte, in Asien Tuk-Tuk genannt. Manche bieten Platz für zwei, manche auch für bis zu sechs Fahrgäste – oder mehr. Da sie offen sind, bekommt man Gerüche und Geräusche ungefiltert mit. Und davon gibt es in einer afrikanischen Großstadt mehr als genug.

Jaqueline, eine junge Studentin, unternimmt mit uns die Fahrt. „Das ist eine tolle Initiative von Studenten“, erzählt uns Brigitte Amara-Dokubo. Die Vorsitzende des Braunschweiger Hilfsvereins Löwe für Löwe, von dessen Projekten wir in den vergangenen drei Folgen berichtet haben, hat die Fahrt für uns organisiert. Alles noch kurz bevor Corona auch in Sierra Leone das gesellschaftliche Leben lahm gelegt hat.

Jaqueline erläutert uns in einem mehr oder weniger gut zu verstehenden Englisch die Sehenswürdigkeiten. So ganz viele sind es nicht, Sierra Leone war schon immer arm, da blieb nie viel Geld für pompöse Gebäude. Spannend ist die Fahrt aber allemal.

Gerade als wir von einer vierspurigen Straße abbiegen wollen, bleibt das Kekeh auf der Kreuzung liegen – direkt an einer Tankstelle. Doch fehlender Sprit ist nicht das Problem. Wir müssen auf jeden Fall aussteigen und suchen uns einen Platz zum Warten im Schatten. Es riecht nach Benzin und nach Abgasen. Uns kommen die Schlagzeilen um den Abgasskandal in Deutschland in den Sinn – es ist eben alles relativ auf dieser Welt.

Wir richten uns auf eine längere Pause ein – aber nein, in diesem Land gibt es oft unverhofft eine schnelle Lösung. In diesem Fall hat unser Fahrer, woher auch immer, innerhalb weniger Minuten ein fahrbereites Kekeh aufgetrieben und wir können unsere Erkundungstour fortsetzen.

Unten am Hafen gibt es einige Häuser aus der Zeit der Engländer. In heutigen Hospital, erzählt uns unsere charmante Führerin, wurden früher Sklaven auf ihre „Tauglichkeit“, sprich auf ihren Wert untersucht. Die Zeit des Sklavenhandels, des Kolonialismus, hat Sierra Leone wie andere afrikanische Länder auch, bis heute geprägt. Familien wurden zerrissen, Kulturen zerstört, Spuren der englischen  Kolonialherren sind unübersehbar.

Genaue Zahlen gibt es nicht, zumal der Sklavenhandel auch nach dessen Verbot um 1800 noch weiter florierte, aber es sind mehrere Hunderttausend Menschen allein von Freetown aus nach Amerika und England verkauft worden.

Einige direkte Nachfahren befreiter Sklaven, siedelten sich zwischen 1787 und 1885 auf der Halbinsel an, auf der heute Freetown steht. Daher der Name „Freie Stadt“.

Das Land wurde erst 1961 unabhängig. Queen Elisabeth quartierte damals im White House. Sehr groß ist das Haus oben auf dem Hügel nicht, aber schön. Allerdings benötigt es mal wieder einen Anstrich

Sehr beeindruckt sind wir von der ältesten Kirche des Landes, der St. John’s Maroon Church. Die Decke der kleinen Kirche besteht aus blauem Holz, es sind Planken von Sklavenschiffen.

Die unterschiedlichen Märkte beeindrucken uns sehr und auch der Cotton Tree, das Wahrzeichen der Stadt. Ein riesiger Kapokbaum, der hier seit 1792 steht und als Symbol der Freiheit gilt. Und übrigens auch des Reichtums. Von Reichtum sind die Sierra Leoner allerdings noch weit entfernt. Von den Diamanten profitieren nach wie vor ausländische Unternehmen und ein kleine Elite im Land. In diesem wunderschönen Land mit seinen liebenswerten Bewohnern wird wohl noch sehr lange unsere Hilfe benötigt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.